Basis der VIDEOTHEK ist die Sammlung der
Städtischen Galerie im Lenbachhaus, die in neuem Kontext hier ihren Ort findet und der interessierten öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Ergänzung findet der Bestand in dem Programm, das im spiegel zu sehen ist. Die Sammlung ist als Präsenzvideothek konzipiert. Den aktuellen Bestand der Sammlung sehen Sie hier.

 

KONSTELLATIONEN

Der zentrale Ort des bewegten Bildes in der gegenwärtigen Kunstpraxis, das Interesse für die "Installation", sich stets wandelnde Werkzeuge, die das Medium Video immer wieder neu beeinflussen, erfordern eine Neudefinition der Bedingungen von Produktion und Präsentation. Mit den neuen Herausforderungen eines solchermaßen veränderlichen Mediums umzugehen, bezeichnet sowohl die Arbeit von Marc Mercier, künstlerischer Leiter von Instants Video in Marseille, als auch die von Emmanuel Deswarte, Gründer des Produktionsateliers Fin avril in Paris. Diese beiden Projekte versuchen zwischen Publikum, Künstlern und Kunstinstitutionen zu vermitteln und dabei jeweils den sozialen und politischen Aspekt der vertretenen Kunstpositionen zu betonen.

Das vor 20 Jahren gegründeten Festival Instants Video, hat sich schon sehr bald auf eine neue Praxis von Kunst und Kultur hin ausgerichtet. Die Beschäftigung mit der globalen Verbreitung des bewegten Bildes, brachte Mercier dazu, mit der Konzeption eines traditionellen Festivals radikal zu brechen. Multipel und polymorph, ist Instants Video eher eine Werkschau, ein internationales Treffen. Es will Parallelen und Verbindungen geographisch entfernter Ereignisse aufzeigen und mit nomadischer Neugier soziale, politische wie ästhetische Verbindungen aufbauen, um neue Inhalte zu produzieren.

Als Produktions- und Arbeitsatelier für Künstlerfilme, experimentelles Video und Bildende Kunst, versucht das Pariser Projekt
Fin avril den neuen Erwartungen und Bedürfnissen von Bildschöpfern, Kunstinstallateuren und Interaktivisten zu entsprechen. Fin avril, das sich als "Interface" zwischen Künstlern und Institutionen versteht, ist gleichzeitig Galerie (als Basis verschiedener Kunstpositionen die ein definiertes Weltbild schaffen), Atelier (ein konkreter Arbeitsraum für Austausch, Diskussionen, Treffen etc.) und Produktionsort (es werden Werke realisiert, die ihre eigene Form und ästhetik haben, und somit auch besondere finanzielle Voraussetzungen).

Das Programm von Les Instants Video im spiegel artikuliert sich in zwei Reihen: Die erste, "Regards croisés" (Gekreuzte Blicke), knüpft Verbindungen zwischen den Kontinenten unter dem Begriff der Erinnerung, und in der Darstellung sozial und politisch geprägter Räume. Die zweite Reihe "Regards palestiniens" (Palestinensische Blicke), zeigt Werke, in denen die Kunst von beiden Seiten der Mauer die schmerzhaften mentalen und physischen Brüche zu erzählen und dadurch zu bearbeiten versucht. Fin avril bietet eine Reihe von Kunstwerken, die – jedes in seiner Art – sich widerständig gegenüber der heutigen mentalen und formalen Normativität verhalten. Ihr Transfer in die Kunst- und Medienwelt reflektiert ebenso das Besondere der Projekte: Die Werke lassen sich in unser formatierten Medienwelt schwer zu vermitteln, und man muss immer wieder neue Wegen finden, um sie zu präsentieren (sei es Internet, Kunstzentren, alternatives TV etc.). Ein besonderer Schwerpunkt von Fin avril sind außerdem Arbeiten, die sich mit den Möglichkeiten des Dokumentarischen auseinandersetzen. In Tulipe, einer Videoinstallation für 3 Monitore, zeigt der Künstler Philippe Charles drei Ebenen der Wirklichkeit, die miteinander in Verbindung gesetzt sind, um die soziale Ordnung (Bezwingen der Physis, der verarmte öffentliche Raum) aus neuer Perspektive zu befragen. Tianjin Babies, von Christophe Atabekian untersucht die urbane und soziale Realität Chinas am Rande von Peking. In "Can you go quickly to the sun" gelingt es der Filmemacherin Catherine Dalfin in Lettan, am Rand eines Dorfes in der ehemaligen USSR, eine poetische Verbindung mit einer zerstörten und verlassenen Realität zu erzeugen.

bis 31.1.2008


www.finavril.com
www.instantsvideo.com

 

Der Kinoraum (unten mit einer Arbeit von Joseph Beuys) ermöglicht Gruppen von Besuchern ein gemeinsames Videoerlebnis, wird jedoch temporär auch als Ausstellungsraum genutzt.

 

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